April 6, 2020

Island und Corona: Ein Update vom 06.04.


Das Corona-Virus hat auch hier wie in vielen anderen Teilen der Welt einen großen Einfluß auf das tägliche Leben.  So ist auch in Island die Corona Krise noch nicht überstanden, wenn auch die Kurve aufgrund von frühzeitigen Maßnahmen bisher flach gehalten werden konnte. Überraschend für die Ärzte ist allerdings, wie viele Patienten in die Intensivstation eingeliefert werden mussten, derzeit sind es 12 an der Zahl. 

Die Zahlen am 06.04. um 13.00 Uhr

Bisher hat es 1.562 Infizierte gegeben, von denen 460 aber schon wieder genesen sind. Das mag viel erscheinen für ein Land mit ca. 360.000 Einwohnern, jedoch wurden auch insgesamt 27.880 Menschen auf COVID-19 getestet, was knapp 8% der Bevölkerung entspricht. Das Virus scheint in der Bevölkerung also nicht sehr weit verbreitet zu sein und man geht von einer geringen Dunkelziffer aus.

Vorgestern wurden zum ersten mal weniger Neuinfektionen gemessen als Genesungen, was hoffen lässt. Die Gesamtzahl der Infizierten verdoppelt sich derzeit alle 11 Tage, was man in der Grafik Verdopplungszeiten im weltweiten Vergleich auf der Nachrichtenseite Die Zeit nachsehen kann. Im Moment gibt es in Island 38 Patienten im Krankenhaus, davon sind 12 auf der Intensivstation. Insgesamt gab es 6 Menschen, die an der Virusinfektion gestorben sind. Von den insgesamt positiv Getesteten gibt es nur 86 Fälle, die sich nicht zurückverfolgen lassen oder die Rückverfolgung derzeit noch in Bearbeitung ist. Zugang zur aktuellen Statistik, die jeden Tag um 13:00 Uhr isländischer Zeit aktualisiert wird, finden Sie auf covid.is.

Wie sind die Aussichten?

Wissenschaftler von der Universität Island (HÍ), der Gesundheitsbehörde und des Landeskrankenhauses haben ein Prognosemodell für die Anzahl der mit COVID-19 diagnostizierten Personen und die entsprechende Belastung des Gesundheitssystems entwickelt. Es wird erwartet, dass während der Epidemie etwa 1.800 Personen in Island mit COVID-19 diagnostiziert werden. Diese Zahl könnte jedoch laut pessimistischer Prognose bis zu 2.500 Personen erreichen. Der Höhepunkt soll laut Modell in der ersten Aprilwoche erreicht werden, also um den jetzigen Zeitpunkt. Es wird erwartet, dass während der anhaltenden Epidemie insgesamt etwa 120 Personen ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Diese Zahl könnte jedoch laut pessimistischer Prognose 180 erreichen. Die größte Belastung für das Gesundheitswesen aufgrund von Krankenhauseinweisungen wird etwa Mitte April sein.

Die rote Linie des Prognosemodells gibt an, wie eine ungehinderte Ausbreitung der Krankheit ohne Maßnahmen verlaufen würde. Die dünne gepunktete Linie ist die pessimistische Einschätzung mit Maßnahmen und die schwarze, durchgehende Linie zeigt die optimistische Prognose an. Die einzelnen schwarzen Punkte sind die tatsächlichen Messwerte.

 

Prediction Modell Covid 19 Háskloi Islands

Das Vorhersagemodell für die Anzahl der mit COVID-19 diagnostizierten Personen der Universität Island.

Die analytische Arbeit geht weiter und die Prognose wird regelmäßig mit neuen Daten gespeist. Es ist zu beachten, dass die Anzahl der bestätigten Fälle von Tag zu Tag stark variieren kann, da Islands Bevölkerung klein ist (etwa 360.000), was sich auf die Ergebnisse des Modells auswirkt. Dieses wird jedoch mit der Zeit und mit einer größeren Datenmenge stabiler. Mehr Infos zum Modell finden Sie auf der Seite COVID-19 in Island der Universität Islands.

Track and Trace anhand von App

Die isländische Rückverfolgungs-App Rakning C-19 wurde am 02. April der Bevölkerung zum freiwilligen Download bereitgestellt. Dies ist ein wichtiges Instrument, um die Übertragungskette der COVID-19 Erkrankung nachvollziehen zu können. Die App hilft dabei, die räumlichen Bewegungen von Personen zu analysieren und diese in das Verhältnis anderer Personen zu setzen, wenn Fälle von Infektionen oder Verdacht auf Infektionen auftreten. Effektive Rückverfolgung und Quarantäne von Infektionsgefährdeten haben sich bisher als wirksame Instrumente zur Verlangsamung der Verbreitung von COVID-19 in Island erwiesen. Mehr als die Hälfte derjenigen, die mit dem Virus diagnostiziert wurden, befanden sich zur Zeit der Bestätigung der Infektion bereits in Quarantäne. Mehr zur App finden Sie hier.

Einschränkungen im Alltag

Das alltägliche Leben ist im Moment noch sehr eingeschränkt. Die Grundschulen und Kindergärten hatten zwar bis vor den Osterferien noch offen, jedoch wurde in Kleingruppen unterrichtet und versucht, die 2-Meter Abstandsregel einzuhalten. Es gilt bis zum 04.Mai ein Versammlungsverbot von mehr als 20 Personen. Viele Bars und Restaurants haben daher geschlossen. In den Supermärkten werden die Kunden gezählt und nur eine bestimmte Anzahl gleichzeitig hereingelassen. Jeder der kann, arbeitet derzeit von zu Hause aus.

“Að ferðast innanhúss”

Reisen soll nach Möglichkeit nicht und die Bevölkerung wurde auch insbesondere dazu angehalten, zu Ostern in den eigenen vier Wänden zu verbringen und selbst Verwandte nicht zu besuchen wenn es nicht unbedingt sein muß.  “Að ferðast innanhúss” hat sich hier als Slogan etabliert, also zu Hause reisen. Gestern gab es einen starken Schneesturm und hat auch so manche Tür zugeschneit. Unter diesen Bedingungen bleibt man doch gern zu Hause!

Schnee Heragerði Photo: Dörthe

Zugeschneites Haus in der Kleinstadt Hveragerði. Photo: Dörthe Zenker. 

Trendwende in Sicht?

Noch ist es schwierig, trotz der Prognosen der Universität die Rückkehr in die Normalität vorhersagen zu können. Auch wenn die Kurve einen flachen Verlauf nimmt und wir hier in Island optimistisch sein können wenn es um die Eindämmung der Krankheit geht, bleibt die Gefahr vorerst bestehen. Wir werden uns daher bemühen, Sie zu informieren, sobald sich Änderungen ergeben.

 

Weitere Infos zur aktuellen Lage und Fallzahlen finden Sie auf der offiziellen Webseite der isländischen Behörden: www.government.is/news/article/2020/03/09/response-to-COVID-19-in-Iceland/

Guidelines für Touristen finden Sie unter: www.covid.is/sub-categories/tourists