Januar 30, 2019

Reisen mit dem Wohnmobil: Infos zu Bußgeldern


Island liegt nach wie vor im Trend und ist seit vielen Jahren ein beliebtes Reiseziel. Die Anzahl der Touristen hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als vervierfacht. Trotz durchschnittlichen 50.000 Urlaubern pro Tag ist Island jedoch noch nicht vom Overtourism-Problem bedroht. Im Gegenteil: Die Tourismusverantwortliche ermutigt Besucher vor allem dazu, anstelle des Haupstadtgebietes das ganze Land zu erkunden. Und was bietet sich hierfür mehr an als eine Tour mit Mietwagen oder dem Wohnmobil rund um die Insel? Was es allerdings besonders bei Wohnmobilreisen zu beachten gibt und ob Sie Bußgeldbescheide aus Island in Deutschland begleichen müssen, erfahren Sie im Folgenden.

Individuell unterwegs

Egal ob im Sommer oder in den Wintermonaten – immer mehr deutsche Urlauber reisen am liebsten mit dem Wohnmobil. Auf diese Weise sind sie flexibel und gewinnen den größtmöglichen Eindruck ihres Urlaubsziels. Besonders kleinere Inseln wie Island bieten sich für eine solche Rundtouren an. Wunderschöne Landschaften, zahlreiche Campingplätze und die inzwischen gut ausgebaute, asphaltierte Ringstraße um die “Hauptinsel” begünstigen vor allem in den Monaten zwischen Mai und September diese Reiseform. Allerdings müssen bei einer Fahrt mit dem Camper auch immer gesonderte Verkehrsregeln berücksichtigt werden. Denn ein Bußgeldbescheid aus dem Ausland kann teuer werden.

Hochlandcamper Hilux. Bild: Europcar

Der richtige Führerschein

Zunächst sollten Sie sich darüber informieren, mit welcher Führerscheinklasse das gewünschte Wohnmobil gefahren werden darf. Hierzu gibt es mitunter in den verschiedenen Ländern auch unterschiedliche Bestimmungen. In Europa gibt es grundsätzlich drei Klassen, die für Wohnmobilreisen relevant sind:

● Führerscheinklasse B: Die meisten Reisewilligen besitzen nur den klassischen Pkw-Führerschein mit der Klasse B. Hiermit dürfen aber nur Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse von maximal 3,5 Tonnen geführt werden. Dies gilt auch für Fahrzeuggespanne, sprich für Pkw mit Anhänger. Wenn beide Fahrzeuge zusammen das Gesamtgewicht überschreiten, benötigen Sie einen gesonderten Führerschein.*

● Klasse B mit Schlüsselzahl 96 (B 96): Viele Wohnwagengespanne überschreiten die zulässige Gesamtmasse der Führerscheinklasse B, weshalb die zusätzliche Fahreignung für die Schlüsselzahl 96 nachgewiesen werden muss. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um das Absolvieren einer Zusatzschulung mit theoretischen wie auch praktischen Anteilen. Eine Prüfung wird nicht durchgeführt. Im Anschluss dürfen Sie Kfz mit einem Gewicht zwischen 3,5 und 4,25 Tonnen fahren.

● Führerscheinklasse BE: Hierbei handelt es sich um den Anhängerführerschein. Auch der Anhänger darf dann ein zulässiges Gewicht von 3,5 Tonnen aufweisen, sodass sich die erlaubte Gesamtmasse, die Sie führen dürfen, auf 7 Tonnen verdoppelt. Diese Führerscheinklasse ist aber in der Regel nur notwendig, wenn es sich um ein besonders sperriges Wohnmobil als Anhänger handelt.

Überladung vermeiden

Selbstverständlich möchte man den Platz in einem Wohnmobil optimal ausnutzen und für eine lange Tour alles Wichtige dabeihaben. Dennoch sollten Sie bei der Planung der Reise daran denken, dass ein Bußgeld für überladene Pkw erhoben wird – nicht nur hierzulande. Je nach Übergewicht kann ein Bußgeld in Deutschland zwischen 10 und 235 Euro betragen. Das sind unerwünschte Kosten, die das Reisebudget erheblich schmälern. Gegebenenfalls erhöht sich auch Ihr Fahreignungsregister um einen Punkt. In der unten stehenden Tabelle sehen Sie, welche Sanktionen bei einer Überladung Ihres Campers in Deutschland auf Sie zukommen. Bedenken Sie dabei außerdem, dass ein Bußgeld im Ausland oftmals deutlich höher ausfällt.

Bußgeldbescheid aus dem Ausland

Viele Menschen glauben, dass sie einen aus dem Urlaubsland zugestellten Bußgeldbescheid zu Hause nicht begleichen müssen. Tatsächlich gibt es jedoch bestimmte Regelungen und Abkommen zur Vollstreckung eines Bußgeldes – allerdings nur innerhalb der EU! So wird allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union gewährt, im Falle eines Verkehrsverstoßes Zugriff auf die Daten des Fahrzeughalters zu erlangen. Liegt das Bußgeld zusammen mit den notwendigen Verfahrensgebühren über der Bagatellgrenze von 70 Euro, wird der Bußgeldbescheid aus dem Ausland anschließend auch in Deutschland vollstreckt.

Kann ein Bußgeld aus Island vollstreckt werden?

Da Island kein EU-Mitglied ist, sind Bußgelder aus Island nicht vollstreckbar. Allerdings können nicht beglichene Bußgelder Probleme bei einer Wiedereinreise verursachen. So kann diese durch die isländischen Behörden verweigert werden, solange der Betrag nicht bezahlt ist.

Mehr Informationen zu den möglichen Sanktionen auf Wohnmobilreisen, z.B. dem hohen Bußgeld fürs Wildcampen, können Sie im kostenfreien eBook des Verbands für bürgernahe Verkehrspolitik e.V. nachlesen.

Gastartikel von  Laura Gosemann

 

*Die meisten Wohnmobile wiegen bis zu 3,5 Tonnen. Wohnmobile unter 3,5 t Gesamtgewicht können mit allen Führerscheinen gefahren werden, die auch für Pkws gelten, bei Wohnmobilen mit mehr als 3,5 t Gesamtgewicht wird ein spezieller Lkw-Führerschein nötig. Eine Ausnahme bildet hier nur die alte Führerscheinklasse 3, die das Fahren von Fahrzeugen bis zu 7,5 t Gesamtgewicht erlaubt.