Dezember 23, 2014

Weihnachten in Island und ein funkelndes Silvester


Da Island so hoch im Norden liegt, sind die Inselbewohner lange Perioden der Dunkelheit im Winter gewöhnt. Deshalb ist Weihnachten in Island auch ein Fest des Lichts. Die Gärten und Häuser werden mit Lichterketten behangen, die Innenstadt festlich beleuchtet und ein großer Weihnachtsbaum aus Norwegen auf dem zentralen Platz in Reykjavik aufgestellt. Statt nur einem Weihnachtsmann gibt es hier gleich dreizehn „Jólasveinar“. Die sind allerdings eher wie die Klabautermänner und treiben allerlei Schabernack mit den Leuten.

Ab dem 12. Dezember kommt jeden Tag ein anderer zu Besuch ins Haus. Kertasníkir schnorrt Kerzen, Gluggagægir glotzt durchs Fenster, Bjúgnakrækir stibitzt die Wurst, Hurðaskellir schlägt die Türen, und so geht es in einem fort weiter. Sie sind die Söhne der kinderfressenden Trollfrau Grýla und des Taugenichts Leppalúðir. Deren Haustier ist die riesenhafte Katze Jólaköttur, die ebenso gern Menschen verspeist, wenn sie nicht brav und fleißig waren.

Weihnachten in Island ist ein Familienfest und es ist Brauch kurz vor dem Fest noch die liebsten Freunde und Verwandten zu besuchen und kleine Geschenke vorbeizubringen. Denn am Heiligen Abend oder „Aðfangadagskvöld“ feiert man nur im engsten Familienkreis. Das typische Weihnachtsessen ist geräuchertes Lammfleisch „Hangikjöt“ mit karamellisierten Kartoffeln, Erbsen und Béchamelsoße. Und dazu gibt es Apfelsinenlimonade mit Malzbier.

Auch Silvester in Island wird gerne im Kreis der Familie gefeiert. Das können dann aber gut und gerne an die 20 Personen sein, denn Familie wird in Island groß geschrieben. Gegen sechs gibt es ein festliches Abendessen und gegen acht Uhr werden an den Stränden große Feuer angezündet und das alte Jahr verabschiedet. Hier treffen sich Jung und Alt aus der Nachbarschaft zu einem freundlichen Beisammensein. Um zehn Uhr sind jedoch alle wieder zu Hause und die Straßen verlassen. Denn nun schaut das ganze Land die beliebteste Fernsehsendung, in der in Sketchen die Geschehnisse des vergangenen Jahres aufs Korn genommen werden. Dafür geht es dann ab kurz vor Mitternacht richtig los mit einem fulminanten Feuerwerk, welches besonders in Reykjavik die ganze Stadt in bunten Lichtfunken erstrahlen lässt und weitaus mehr als eine Stunde andauert. Es ist atemberaubend! Die Isländer kaufen besonders viele Feuerwerkskörper, weil sie damit ihre Landesrettungsmannschaften unterstützen. Und sie wissen um die Wichtigkeit dieser Institution, in einem Land mit einer so unwägbaren Natur.